Was leistet die Marktanalyse im Businessplan?
Die Marktanalyse im Businessplan belegt mit konkreten Zahlen, dass ein ausreichend großer und erreichbarer Markt für das Geschäftsmodell existiert. Sie umfasst Marktgröße und -entwicklung, Zielgruppenbeschreibung, Wettbewerbsübersicht und relevante Branchentrends – jeweils mit Quellenangabe und Jahr.
Banken und Investoren prüfen dieses Kapitel besonders kritisch, weil hier am häufigsten mit runden, unbelegten Zahlen gearbeitet wird.
Marktgröße bestimmen: TAM, SAM, SOM
| Begriff | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| TAM | Gesamtmarkt (theoretisch) | Alle Handwerksbetriebe in Deutschland: ca. 1 Mio. |
| SAM | Erreichbarer Teilmarkt | Betriebe mit 2–20 Mitarbeitenden: ca. 380.000 |
| SOM | Realistisch erzielbarer Anteil (3 Jahre) | 1–2 % Marktanteil: ca. 4.000–7.500 Betriebe |
Diese Herleitung – vom großen Gesamtmarkt zum realistisch erreichbaren Anteil – ist glaubwürdiger als eine pauschale Prozentzahl vom Gesamtmarkt.
Wo verlässliche Marktdaten herkommen
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Bevölkerung, Unternehmensregister, Branchenkennzahlen
- IHK- und Branchenverbands-Reports: oft kostenlos, gut für Nischen
- Statista: breite Datenbasis, teils kostenpflichtig
- KfW-Gründungsmonitor: Trends zur Gründungslandschaft in Deutschland
- Eigene Kundenumfragen/-interviews: 10–20 Gespräche liefern oft überzeugendere qualitative Belege
Wichtig: Jede Zahl braucht Quelle und Jahr direkt im Text oder als Fußnote – ohne Beleg wirkt jede Marktgröße wie geraten.

Zielgruppe konkret beschreiben
Eine belastbare Zielgruppenbeschreibung beantwortet vier Fragen:
- Wer genau ist der Kunde (demografisch, bei B2B: Branche und Betriebsgröße)?
- Welches konkrete Problem hat er, das aktuell schlecht gelöst ist?
- Wie kauft er heute (online, stationär, über Vermittler)?
- Was ist er bereit zu zahlen – idealerweise mit Beleg aus Interviews oder Vergleichsangeboten?
Statt „Frauen 25–45 mit Interesse an Nachhaltigkeit“ ist konkreter: „Berufstätige Frauen 28–40 in Großstädten, die bereits nachhaltige Kosmetik kaufen und laut eigener Umfrage 15–25 € pro Monat dafür ausgeben.“
Wettbewerbsanalyse: 3–5 Anbieter im Vergleich
| Anbieter | Preis | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|---|
| Wettbewerber A | 29 €/Monat | Große Bekanntheit | Wenig Individualisierung |
| Wettbewerber B | 49 €/Monat | Guter Support | Komplizierte Bedienung |
| Eigenlösung (Excel/Papier) | 0 € | Kein Umstellungsaufwand | Zeitaufwendig, fehleranfällig |
Die Tabelle zeigt zugleich die eigene Positionierungslücke – etwa günstiger, einfacher oder spezialisierter auf eine Nische.
Trends und Marktentwicklung einordnen
Ein kurzer Abschnitt zu relevanten Trends rundet die Marktanalyse ab: regulatorische Änderungen, technologische Entwicklungen, demografischer Wandel oder verändertes Kaufverhalten. Wichtig ist der direkte Bezug zum eigenen Geschäftsmodell – Trends ohne erkennbaren Zusammenhang wirken wie Lückenfüller.
Typische Fehler in der Marktanalyse
- Marktgröße ohne Quelle oder mit veralteten Zahlen
- Zu breite Zielgruppendefinition ohne erkennbares Kaufverhalten
- Wettbewerbsanalyse ohne eigene Positionierung
- Marktanteil-Annahmen ohne nachvollziehbare Herleitung (z. B. „nur 1 % vom Milliardenmarkt“)
- Fehlender Bezug zwischen Trends und eigenem Angebot
Checkliste für die Marktanalyse
- Marktgröße mit Quelle und Jahr belegt
- TAM/SAM/SOM oder vergleichbare Herleitung vorhanden
- Zielgruppe mit konkretem Kaufverhalten beschrieben
- 3–5 Wettbewerber mit Stärken/Schwächen verglichen
- Trends mit klarem Bezug zum eigenen Geschäftsmodell
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Marktanalyse und Wettbewerbsanalyse?+
Die Marktanalyse betrachtet Größe, Wachstum und Struktur des Gesamtmarkts sowie die Zielgruppe. Die Wettbewerbsanalyse ist ein Teilkapitel davon und vergleicht konkrete Mitbewerber.
Wo finde ich verlässliche Marktdaten für einen Businessplan?+
Statistisches Bundesamt, Branchenverbände, IHK-Branchenreports, Statista (teils kostenpflichtig), Marktforschungsberichte sowie Förderbanken-Publikationen. Immer Quelle und Jahr angeben.
Was bedeuten TAM, SAM und SOM?+
TAM (Total Addressable Market) ist der theoretisch gesamte Markt, SAM (Serviceable Available Market) der tatsächlich erreichbare Teil, SOM (Serviceable Obtainable Market) der realistisch erzielbare Anteil in den ersten Jahren.
Wie detailliert muss die Zielgruppenbeschreibung sein?+
Konkret genug, um Marketingmaßnahmen und Umsatzprognose daraus abzuleiten: demografische Merkmale, Kaufverhalten, Problem und Zahlungsbereitschaft – nicht nur 'Frauen 25-45'.
Wie viele Wettbewerber sollte ich analysieren?+
3–5 direkte Wettbewerber reichen für die meisten Businesspläne, ergänzt um eine kurze Einordnung indirekter Alternativen (z. B. Eigenlösung des Kunden).
Muss ich eigene Marktforschung betreiben?+
Nicht zwingend, aber empfehlenswert: 10–20 Kundeninterviews oder eine kleine Umfrage liefern oft überzeugendere Belege als reine Sekundärdaten.
Wie gehe ich mit einem sehr kleinen Nischenmarkt um?+
Kleine Märkte sind kein Nachteil, wenn du die Größe realistisch belegst und zeigst, dass sie für dein Geschäftsmodell ausreicht – Banken schätzen Ehrlichkeit mehr als übertriebene Marktgrößen.
Wie aktuell müssen die Daten sein?+
Idealerweise nicht älter als 2–3 Jahre. Bei schnelllebigen Branchen (z. B. E-Commerce, Software) sollten Kernzahlen möglichst aktuell und mit Datum belegt sein.
Was, wenn keine exakten Branchenzahlen existieren?+
Dann mit Annäherungen arbeiten und das transparent machen: z. B. verwandte Branchenzahlen kombinieren oder eigene Hochrechnung aus Bevölkerungsdaten und geschätzter Kaufquote darstellen.
Wie lang sollte das Kapitel Marktanalyse im Businessplan sein?+
In der Regel 2–4 Seiten: Marktgröße und -entwicklung, Zielgruppe, Wettbewerb und eine kurze Trendeinschätzung.
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Verwendete Quellen
- Existenzgründungsportal – Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz
- ERP-Gründerkredit – Startgeld (Programm 067) – KfW Bankengruppe
