Was ist eine UG (haftungsbeschränkt)?
Die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) ist keine eigene Rechtsform, sondern eine Variante der GmbH nach § 5a GmbHG – oft „Mini-GmbH“ oder „1-Euro-GmbH“ genannt. Es gelten dieselben Regeln wie für die GmbH, mit vier Besonderheiten: Das Stammkapital kann unter 25.000 € liegen, Sacheinlagen sind ausgeschlossen, 25 % des Jahresüberschusses müssen in eine gesetzliche Rücklage fließen, und der Zusatz „haftungsbeschränkt“ muss vollständig in der Firmierung geführt werden.
Für die Haftung gilt: Für Verbindlichkeiten der Gesellschaft haftet grundsätzlich nur das Gesellschaftsvermögen, nicht das Privatvermögen der Gesellschafter. Genau deshalb ist die UG für Gründerinnen und Gründer mit Vertrags-, Produkt- oder Projektrisiko attraktiv – auch ohne 25.000 € auf dem Konto.
Was kostet eine UG-Gründung wirklich?
| Position | Musterprotokoll | Individueller Vertrag |
|---|---|---|
| Stammkapital (empfohlen) | 1.000–3.000 € | 1.000–3.000 € |
| Notar (Beurkundung) | ca. 150–350 € | ca. 600–1.200 € |
| Notar (Handelsregister-Anmeldung) | ca. 60–100 € | ca. 60–120 € |
| Handelsregistereintrag | ca. 150 € | ca. 150–250 € |
| Gewerbeanmeldung | 20–65 € | 20–65 € |
| IHK-Beitrag (jährlich) | ca. 30–150 € | ca. 30–150 € |
| Summe ohne Kapital | ca. 380–665 € | ca. 830–1.585 € |
Wichtig: Gründungskosten dürfen der UG nur bis zu einer im Vertrag genannten Obergrenze belastet werden – üblich sind 300 € oder maximal 10 % des Stammkapitals. Wer mit 1 € gründet, zahlt die Kosten faktisch privat.
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1 € Stammkapital – warum das eine schlechte Idee ist
Rechtlich zulässig, betriebswirtschaftlich riskant: Die Gründungskosten fallen sofort an, das Kapital ist aufgebraucht, und bilanziell entsteht eine Unterbilanz. Der Geschäftsführer muss die Gesellschafter bei Verlust der Hälfte des Stammkapitals nach § 5a Abs. 4 GmbHG unverzüglich einberufen – bei 1 € Kapital praktisch ab Tag eins.
- Unter 1.000 €: nur bei reinen Holding- oder Verwaltungszwecken sinnvoll
- 1.000–3.000 €: Praxisstandard, deckt Gründungskosten und erste Monate
- ab 5.000 €: deutlich bessere Verhandlungsposition bei Banken und Vermietern
Das Kapital muss vollständig in bar eingezahlt werden, bevor der Notar die Handelsregister-Anmeldung einreicht. Ratenzahlung wie bei der GmbH (50 %) ist bei der UG ausgeschlossen.

Ablauf in 7 Schritten
- Firmierung prüfen: Name mit dem Zusatz „UG (haftungsbeschränkt)“, vorab Abgleich bei der IHK und im Handelsregister
- Gesellschaftsvertrag wählen: Musterprotokoll (bis 3 Gesellschafter, 1 Geschäftsführer) oder individueller Vertrag
- Notartermin: Beurkundung des Vertrags und Bestellung der Geschäftsführung
- Geschäftskonto eröffnen und das Stammkapital vollständig einzahlen
- Handelsregister-Anmeldung durch den Notar mit Einzahlungsnachweis
- Eintrag im Handelsregister – ab jetzt volle Haftungsbeschränkung
- Gewerbeanmeldung, Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, IHK und ggf. Transparenzregister
Zwischen Beurkundung und Eintrag existiert die „UG i. G.“ (in Gründung). Wer in dieser Phase Verträge schließt, haftet als Handelnder persönlich – ein häufig unterschätztes Risiko.
Die Rücklagenpflicht: 25 % vom Gewinn
Nach § 5a Abs. 3 GmbHG muss die UG jährlich 25 % ihres Jahresüberschusses (nach Verlustvortrag) in eine gesetzliche Rücklage einstellen. Diese Rücklage darf nur zur Kapitalerhöhung, zum Ausgleich von Jahresfehlbeträgen oder zur Verrechnung mit Verlustvorträgen verwendet werden – nicht für Ausschüttungen.
| Jahr | Jahresüberschuss | Rücklage 25 % | Kumuliert |
|---|---|---|---|
| 1 | 12.000 € | 3.000 € | 3.000 € |
| 2 | 28.000 € | 7.000 € | 10.000 € |
| 3 | 40.000 € | 10.000 € | 20.000 € |
| 4 | 36.000 € | 9.000 € | 25.000 € erreicht |
Nach Erreichen der 25.000 € entfällt die Pflicht nicht automatisch – die Umwandlung in eine GmbH muss aktiv beschlossen werden. Alternativ bleibt die UG bestehen, führt den Zusatz aber weiter.
Steuern und laufende Pflichten
Die UG wird steuerlich wie eine GmbH behandelt: 15 % Körperschaftsteuer plus 5,5 % Solidaritätszuschlag darauf, dazu Gewerbesteuer je nach Hebesatz der Gemeinde. Bei Ausschüttung an natürliche Personen fallen zusätzlich 25 % Kapitalertragsteuer plus Soli an.
- Doppelte Buchführung und Bilanz (keine EÜR möglich)
- Jahresabschluss mit Offenlegung im Bundesanzeiger
- Körperschaftsteuer-, Gewerbesteuer- und Umsatzsteuererklärung
- Geschäftsführergehalt: lohnsteuer- und ggf. sozialversicherungspflichtig
Belastung durchrechnen: Gewerbesteuer-Rechner und GmbH-Ausschüttung-Rechner.
UG, GmbH oder Einzelunternehmen?
| Kriterium | Einzelunternehmen | UG | GmbH |
|---|---|---|---|
| Mindestkapital | 0 € | 1 € | 25.000 € (12.500 € einzuzahlen) |
| Haftung | privat unbeschränkt | beschränkt | beschränkt |
| Gründungskosten | ca. 20–65 € | ca. 380–665 € | ca. 700–1.500 € |
| Buchführung | EÜR möglich | Bilanz | Bilanz |
| Rücklagenpflicht | nein | 25 % des Gewinns | nein |
| Ansehen bei Banken | mittel | eher niedrig | hoch |
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Sieben typische Fehler bei der UG-Gründung
- Zu geringes Stammkapital – Gründungskosten führen sofort zur Unterbilanz
- Zusatz „haftungsbeschränkt“ weggelassen – führt zur persönlichen Haftung nach Rechtsscheingrundsätzen
- Verträge vor dem Handelsregister-Eintrag geschlossen – Handelndenhaftung
- Rücklagenpflicht ignoriert – Jahresabschluss ist nichtig, wenn die Rücklage fehlt
- Sacheinlage geplant – bei der UG gesetzlich ausgeschlossen
- Geschäftsführervertrag fehlt – verdeckte Gewinnausschüttung droht
- Offenlegung im Bundesanzeiger versäumt – Ordnungsgeld ab 2.500 €
Häufige Fragen
Wie viel Stammkapital braucht eine UG?+
Rechtlich genügt 1 € pro Gesellschafter. Praktisch sind 1.000–3.000 € sinnvoll, weil Gründungskosten, Notar und erste Ausgaben sonst sofort zur bilanziellen Überschuldung führen.
Was kostet die Gründung einer UG?+
Mit Musterprotokoll ca. 300–600 € (Notar ca. 150–350 €, Handelsregister ca. 150 €, Gewerbeanmeldung 20–65 €). Mit individuellem Gesellschaftsvertrag steigen die Notarkosten auf 600–1.200 €.
Wie lange dauert eine UG-Gründung?+
Vom Notartermin bis zum Handelsregister-Eintrag vergehen meist 1–4 Wochen. Erst mit dem Eintrag greift die Haftungsbeschränkung vollständig.
Muss eine UG Rücklagen bilden?+
Ja. Nach § 5a Abs. 3 GmbHG müssen 25 % des Jahresüberschusses in eine gesetzliche Rücklage eingestellt werden, bis das Stammkapital von 25.000 € erreicht ist. Erst dann ist eine Umwandlung in eine GmbH möglich.
Kann ich eine UG allein gründen?+
Ja, als Ein-Personen-UG mit einem einzigen Gesellschafter, der zugleich Geschäftsführer sein kann. Der Notartermin ist trotzdem Pflicht.
Wann lohnt sich die UG statt der GmbH?+
Wenn wenig Startkapital vorhanden ist, aber Haftungsbeschränkung gebraucht wird – etwa bei Dienstleistungen mit Vertragsrisiko. Bei Kapitalbedarf über 25.000 € oder Investorenplänen ist die GmbH die bessere Wahl.
Hat die UG Nachteile bei Banken und Kunden?+
Ja, das Kürzel „UG (haftungsbeschränkt)“ signalisiert geringe Kapitaldecke. Banken verlangen häufiger persönliche Bürgschaften, Großkunden gelegentlich Bonitätsnachweise.
Darf eine UG Sacheinlagen nutzen?+
Nein. Nach § 5a Abs. 2 GmbHG ist die UG zwingend eine Bargründung; Sacheinlagen wie Fahrzeuge oder Maschinen sind ausgeschlossen.
Wie wird eine UG in eine GmbH umgewandelt?+
Sobald das Stammkapital durch Rücklagen oder eine Kapitalerhöhung 25.000 € erreicht, beschließen die Gesellschafter notariell die Kapitalerhöhung und Firmierungsänderung. Kosten: ca. 700–1.200 €.
Welche laufenden Kosten hat eine UG?+
Buchhaltung und Jahresabschluss (ca. 800–2.500 €/Jahr), Offenlegung im Bundesanzeiger, IHK-Beitrag sowie ggf. Kosten für Lohnabrechnung des Geschäftsführers.
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Geprüft & belegt
- Letzte Prüfung
- 14. August 2026
- Nächste Prüfung
- 10. Februar 2027 (alle 180 Tage)
- Geprüft von
- Gründer-Guru RedaktionFachredaktion Gründung, Steuern & Förderung
Verwendete Quellen
- GmbH-Gesetz – Bundesministerium der Justiz
- § 5a GmbHG – Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) – Bundesministerium der Justiz
- § 705 BGB – Gesellschaft bürgerlichen Rechts – Bundesministerium der Justiz
- § 11 GewStG – Steuermesszahl und Freibetrag – Bundesministerium der Justiz
