Gastronomie & Handel

Bar eröffnen: Konzession, Kosten und Kalkulation

Eine Bar ist ein Immobilienprojekt mit Getränkeausschank: Die größten Posten sind Ausbau, Schallschutz und Kaution, nicht der Wareneinsatz. Genehmigt wird nicht das Konzept, sondern das Gebäude – Nutzungsänderung, Lärmschutz und Sperrzeit entscheiden früher über den Erfolg als die Cocktailkarte. Dieser Leitfaden geht Genehmigungen, Kosten und die Getränkekalkulation der Reihe nach durch.

Fachlich geprüft am 14. August 2026

Das Wichtigste in Kürze

Startkosten
40.000–150.000 € je nach Zustand der Fläche
Dauer
4–9 Monate von der Objektsuche bis zur Eröffnung
Kernvoraussetzung
Gaststättenerlaubnis nach § 2 GastG, Unterrichtungsnachweis der IHK, baurechtliche Nutzungsgenehmigung, Lärmschutzgutachten und ein Konzept, das an fünf Abenden trägt – nicht nur samstags.

Was kostet der Start?

Startkosten Bar eröffnen: Konzession, Kosten und Kalkulation
Positionvonbis
Kaution und Ablöse5.000 €40.000 €
Umbau, Theke, Sanitär, Elektrik15.000 €80.000 €
Schallschutz und LüftungDer am häufigsten unterschätzte Posten3.000 €25.000 €
Kühltechnik, Schankanlage, Gläserspülmaschine6.000 €20.000 €
Mobiliar und Beleuchtung4.000 €25.000 €
Kassensystem mit TSE800 €3.000 €
Erstes Getränkelager3.000 €10.000 €
Genehmigungen, Gutachten, Beratung1.500 €8.000 €
Summe38.300 €211.000 €

Alle Beträge sind redaktionelle Richtwerte, keine Zusicherung. Prüfe die aktuellen Gebühren bei deiner Kommune und Kammer.

Genehmigungen und Ämter

  • PflichtOrdnungsamt / Gewerbeamt

    Gaststättenerlaubnis nach § 2 GastG (Konzession) für Alkoholausschank

  • PflichtIHK

    Unterrichtungsnachweis Gaststättenrecht

  • PflichtGesundheitsamt

    Belehrung nach Infektionsschutzgesetz für alle Mitarbeitenden

  • PflichtBauamt

    Nutzungsänderung und Stellplatznachweis

  • PflichtUmweltamt

    Schallschutznachweis, Sperrzeit, Außenbereich

  • PflichtFeuerwehr / Brandschutz

    Fluchtwege, Personenzahl, Brandschutzkonzept

  • PflichtGEMA

    Anmeldung der Musikwiedergabe

  • PflichtBerufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe

    Anmeldung des Betriebs

Beispielrechnung

Beispiel: Cocktailbar mit 60 Plätzen

Vier starke Abende pro Woche, 85 Gäste im Schnitt, 19 € Bon je Gast. Getränke werden mit Faktor 4 bis 5 auf den Einkauf kalkuliert.

Monatsumsatz (16 Abende × 85 Gäste × 19 €)
25.840 €
Wareneinsatz 24 %
− 6.200 €
Personal (Barkeeper, Aushilfen)
− 8.500 €
Miete inklusive Nebenkosten
− 3.800 €
Energie, GEMA, Versicherungen, Musik
− 1.900 €
Marketing und Instandhaltung
− 1.200 €
Betriebsergebnis vor Steuern
ca. 4.240 € – ein schwacher Monat kippt das schnell
Break-even deiner Bar

Die passende Rechtsform

Empfehlung

GmbH oder UG

Hohe Investitionen, langfristiger Mietvertrag und Personal bedeuten hohes Risiko. Eine Kapitalgesellschaft trennt Betriebs- von Privatvermögen – Vermieter verlangen dann allerdings oft eine persönliche Bürgschaft.

Passende Förderprogramme

Angaben zu Förderprogrammen (Förderquoten, Höchstbeträge, Fristen, Voraussetzungen, Antragswege) sind redaktionell recherchiert und können sich jederzeit kurzfristig ändern, ausgesetzt oder eingestellt werden. Sie sind unverbindlich, begründen keinen Anspruch auf Förderung und ersetzen keine Beratung durch die Förderstelle. Wir übernehmen keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität und haften nicht für Schäden aus der Nutzung dieser Angaben – außer bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit sowie bei Verletzung von Leben, Körper und Gesundheit. Verbindlich sind ausschließlich die Angaben und Richtlinien der jeweiligen Förderstelle. Vollständiger Haftungsausschluss

Laufende Kosten

  • Miete und Nebenkosten (Ziel: unter 12 % vom Umsatz)
  • Personal (30–38 % vom Umsatz)
  • Wareneinsatz Getränke (20–28 %)
  • GEMA, Künstlersozialabgabe, Musiklizenzen
  • Energie, Kühlung, Reinigung
  • Instandhaltung von Schankanlage und Kühltechnik

Typische Fehler

  1. 01Mietvertrag vor der Genehmigung unterschrieben

    Ohne geklärte Nutzungsänderung und Sperrzeit kann eine unterschriebene Miete zur teuren Bauruine werden. Erst Bauamt, dann Vertrag.

  2. 02Lärmschutz unterschätzt

    Nachbarbeschwerden führen zu Auflagen bis zur Schließung. Schallgutachten und Schleusen kosten deutlich weniger als der Rechtsstreit.

  3. 03Nur auf das Wochenende gebaut

    Wenn Freitag und Samstag alles tragen müssen, reicht eine Regenwoche für Liquiditätsprobleme. Plane Wochentagsformate ein.

  4. 04Zu knapp finanziert

    Die ersten drei Monate laufen selten wie geplant. Halte mindestens drei Monatsfixkosten als Puffer vor.

Häufige Fragen

Brauche ich eine Konzession für eine Bar?+

Ja, für den Ausschank alkoholischer Getränke ist die Gaststättenerlaubnis nach § 2 GastG erforderlich, dazu der IHK-Unterrichtungsnachweis und ein Führungszeugnis.

Was kostet die Eröffnung einer Bar?+

Bei Übernahme einer bestehenden Gastrofläche 40.000–80.000 €. Ein Rohbau ohne Gastro-Historie kann 150.000 € und mehr kosten.

Wie kalkuliere ich Getränkepreise?+

Üblich ist Faktor 4 bis 5 auf den Netto-Einkauf, bei Cocktails eher 4,5 bis 6. Ziel ist ein Wareneinsatz von 20–28 %.

Was ist die Sperrzeit?+

Die landesrechtlich geregelte Zeit, in der geschlossen sein muss. Sie ist oft verkürzbar, dann aber mit Lärmschutzauflagen verbunden.

Brauche ich Gastro-Erfahrung?+

Rechtlich nein, praktisch ja. Ohne eigene Erfahrung solltest du eine erfahrene Barleitung fest einplanen.

Wie viele Gäste brauche ich pro Abend?+

Als Faustregel muss der Abendumsatz das Dreifache der Tagesfixkosten decken. Bei 60 Plätzen sind 70–90 Gäste an Kernabenden das Ziel.

Muss ich GEMA zahlen?+

Ja, sobald Musik läuft. Die Höhe hängt von Fläche, Öffnungstagen und Eintritt ab; Anmeldung vor der Eröffnung.

Was gilt bei Speisen?+

Sobald du Speisen zubereitest, kommen HACCP-Konzept, getrennte Arbeitsbereiche und strengere Auflagen des Lebensmittelrechts dazu.

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