Das Wichtigste in Kürze
- Startkosten
- 40.000–120.000 € Startkapital inklusive Vorfinanzierung der ersten Monate
- Dauer
- 6–12 Monate bis zum Versorgungsvertrag
- Kernvoraussetzung
- Verantwortliche Pflegefachkraft (Pflegedienstleitung mit mind. zwei Jahren Berufserfahrung und PDL-Weiterbildung), Versorgungsvertrag mit den Pflegekassen nach § 72 SGB XI und geeignete Räume.
Was kostet der Start?
| Position | von | bis |
|---|---|---|
| Beratung, Konzept, Antrag Versorgungsvertrag | 3.000 € | 12.000 € |
| Büroräume Kaution und Ausbau | 3.000 € | 15.000 € |
| Dienstfahrzeuge (Leasing-Anzahlung, 2–3 Fahrzeuge) | 3.000 € | 12.000 € |
| Pflegesoftware, Abrechnung, Telematik-Anbindung | 1.500 € | 6.000 € |
| Erstausstattung Pflegematerial und Dienstkleidung | 1.500 € | 5.000 € |
| Personal-Vorfinanzierung (3 Monate)Wichtigster Posten – Kassen zahlen verzögert | 25.000 € | 70.000 € |
| Versicherungen (Betriebshaftpflicht, Vermögensschaden)pro Jahr | 800 € | 2.500 € |
| Summe | 37.800 € | 122.500 € |
Alle Beträge sind redaktionelle Richtwerte, keine Zusicherung. Prüfe die aktuellen Gebühren bei deiner Kommune und Kammer.
Genehmigungen und Ämter
- PflichtPflegekassen (Landesverbände)
Versorgungsvertrag nach § 72 SGB XI
- FallabhängigKrankenkassen
Zulassung für häusliche Krankenpflege nach § 132a SGB V
Praktisch unverzichtbar für die Wirtschaftlichkeit.
- PflichtHeimaufsicht / Gesundheitsamt
Prüfung der Räume und der Qualitätsdokumentation
- PflichtGewerbeamt
Gewerbeanmeldung
- PflichtBerufsgenossenschaft (BGW)
Anmeldung binnen einer Woche nach Betriebsstart
- PflichtAgentur für Arbeit
Betriebsnummer für die Personalabrechnung
- PflichtGematik / Telematikinfrastruktur
Anbindung für elektronische Abrechnung und Dokumentation
Beispielrechnung
Beispiel: 35 Klienten in der Grundversorgung
Ein kleiner Dienst mit 35 Klienten, durchschnittlich 620 € Monatsumsatz pro Klient und sieben Pflegekräften in Voll- und Teilzeit.
- Monatsumsatz (35 × 620 €)
- 21.700 €
- Personalkosten inkl. Arbeitgeberanteil
- − 15.500 €
- Fahrzeuge, Sprit, Wartung
- − 1.600 €
- Büro, Software, Versicherungen
- − 1.400 €
- Material und Verwaltung
- − 900 €
- Betriebsergebnis vor Steuern
- ca. 2.300 € – Tragfähigkeit ab etwa 30 Klienten
Die passende Rechtsform
Empfehlung
GmbH oder UG
Haftungsrisiken in der Pflege sind real, das Personalvolumen hoch und Kassen bevorzugen belastbare Strukturen. Eine GmbH schützt dein Privatvermögen; die UG ist der Einstieg, wenn 25.000 € Stammkapital nicht verfügbar sind.
Passende Förderprogramme
- ERP-Gründerkredit – StartGeld →Förderkredit ohne Eigenkapital – der Klassiker für kleine Gründungen.125.000 € (davon max. 50.000 € Betriebsmittel)
- Gründungszuschuss →Zuschuss zur Sicherung des Lebensunterhalts in den ersten 15 Monaten der Selbstständigkeit.ca. 15.000–20.000 € über 15 Monate
Angaben zu Förderprogrammen (Förderquoten, Höchstbeträge, Fristen, Voraussetzungen, Antragswege) sind redaktionell recherchiert und können sich jederzeit kurzfristig ändern, ausgesetzt oder eingestellt werden. Sie sind unverbindlich, begründen keinen Anspruch auf Förderung und ersetzen keine Beratung durch die Förderstelle. Wir übernehmen keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität und haften nicht für Schäden aus der Nutzung dieser Angaben – außer bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit sowie bei Verletzung von Leben, Körper und Gesundheit. Verbindlich sind ausschließlich die Angaben und Richtlinien der jeweiligen Förderstelle. Vollständiger Haftungsausschluss
Laufende Kosten
- Personalkosten (60–75 % vom Umsatz)
- Fahrzeugflotte inklusive Sprit und Wartung
- Pflegesoftware, Abrechnungsdienstleister, Telematik
- Fort- und Weiterbildung der Pflegekräfte
- Qualitätsmanagement und MD-Prüfungen
- Betriebshaftpflicht und Vermögensschadenhaftpflicht
Typische Fehler
01Liquidität unterschätzt
Zwischen Leistung und Zahlung der Kassen liegen oft sechs bis zehn Wochen. Ohne Puffer für drei Monatslöhne wird es eng.
02PDL erst später suchen
Ohne verantwortliche Pflegefachkraft kein Versorgungsvertrag. Die Personalie gehört an den Anfang, nicht ans Ende der Planung.
03Touren zu weit geplant
Fahrzeiten sind unbezahlte Zeit. Ein enges Einsatzgebiet schlägt ein großes fast immer.
04Qualitätsmanagement nachgelagert
Der Medizinische Dienst prüft früh. Ein sauberes QM-Handbuch von Tag eins spart Nachbesserungen und Abschläge.
Häufige Fragen
Welche Voraussetzungen braucht die Pflegedienstleitung?+
Eine abgeschlossene Ausbildung als Pflegefachkraft, mindestens zwei Jahre Berufserfahrung in den letzten acht Jahren und eine anerkannte PDL-Weiterbildung (mind. 460 Stunden) oder ein einschlägiges Studium.
Muss ich selbst Pflegefachkraft sein?+
Nein. Als Kaufmann oder Kauffrau kannst du gründen, brauchst aber eine angestellte verantwortliche Pflegefachkraft.
Wie lange dauert der Versorgungsvertrag?+
Von der vollständigen Antragstellung bis zum Vertrag vergehen typischerweise drei bis sechs Monate, mit Vorbereitung insgesamt sechs bis zwölf.
Wie viel Startkapital brauche ich wirklich?+
Der Sachaufwand liegt bei 15.000–40.000 €. Entscheidend ist die Vorfinanzierung der Löhne – insgesamt sind 40.000–120.000 € realistisch.
Ab wie vielen Klienten trägt sich ein Pflegedienst?+
Als Faustregel ab etwa 30 Klienten in der Grundversorgung, abhängig von Tourenlänge und Leistungsmix.
Kann ich mit häuslicher Krankenpflege starten?+
Ja, die Zulassung nach § 132a SGB V ist getrennt vom Pflegevertrag. Behandlungspflege ist oft besser vergütet und ein guter Einstieg.
Welche Software brauche ich?+
Eine Pflegesoftware mit Tourenplanung, Leistungserfassung, Abrechnung nach SGB V/XI und Anbindung an die Telematikinfrastruktur.
Gibt es Förderung für Pflegedienste?+
Klassische Gründungsförderung wie der ERP-Gründerkredit und – bei Gründung aus Arbeitslosigkeit – der Gründungszuschuss. Prüfe zusätzlich Landesprogramme in der Förderdatenbank.