Gastronomie & Handel

Kiosk eröffnen: Genehmigungen, Kosten und Marge

Der Kiosk lebt von Lage und Frequenz, nicht von Sortimentstiefe. Tabak bringt Umsatz, aber kaum Marge; Getränke, Snacks und Lotto tragen den Deckungsbeitrag. Wer die Margenstruktur nicht kennt, verwechselt hohen Umsatz mit Verdienst. Dieser Leitfaden zeigt Genehmigungen, Startkosten und eine ehrliche Rechnung, wie viel bei 1.200 € Tagesumsatz übrig bleibt.

Fachlich geprüft am 14. August 2026

Das Wichtigste in Kürze

Startkosten
12.000–45.000 € Startkosten inklusive Warenlager und Kaution
Dauer
2–4 Monate von der Ladensuche bis zur Eröffnung
Kernvoraussetzung
Gewerbeanmeldung, Anzeige nach Gaststättenrecht für Alkoholverkauf, Belehrung nach Infektionsschutzgesetz bei offenen Lebensmitteln und Verträge mit Getränke-, Tabak- und Lotto-Lieferanten.

Was kostet der Start?

Startkosten Kiosk eröffnen: Genehmigungen, Kosten und Marge
Positionvonbis
Kaution und erste Miete2.500 €9.000 €
Ladenbau, Regale, Theke3.000 €15.000 €
Kühlschränke und Kühltruhen2.000 €8.000 €
Kassensystem mit TSE und Belegpflicht700 €2.500 €
Erstes WarenlagerTabak wird oft nur gegen Vorkasse geliefert4.000 €12.000 €
Genehmigungen und Anmeldungen100 €600 €
Beschilderung und Außenwerbung400 €3.000 €
Summe12.700 €50.100 €

Alle Beträge sind redaktionelle Richtwerte, keine Zusicherung. Prüfe die aktuellen Gebühren bei deiner Kommune und Kammer.

Genehmigungen und Ämter

  • PflichtGewerbeamt

    Gewerbeanmeldung (Einzelhandel)

  • PflichtOrdnungsamt

    Anzeige nach Gaststättengesetz für den Verkauf alkoholischer Getränke

  • PflichtGesundheitsamt

    Belehrung nach § 43 Infektionsschutzgesetz bei offenen Lebensmitteln

  • PflichtFinanzamt

    Steuerliche Erfassung, Kassenmeldung, TSE-konforme Kasse

  • PflichtIHK

    Pflichtmitgliedschaft

  • FallabhängigLotto-Gesellschaft des Landes

    Annahmestellenvertrag

    Kontingentiert – Bewerbung dauert und ist nicht garantiert.

  • FallabhängigBauamt

    Nutzungsänderung, wenn die Fläche vorher kein Laden war

Beispielrechnung

Beispiel: 1.200 € Tagesumsatz

Ein Kiosk mit typischem Sortimentsmix. Tabak macht rund die Hälfte des Umsatzes, aber nur etwa ein Fünftel des Rohertrags.

Monatsumsatz (26 Öffnungstage × 1.200 €)
31.200 €
Wareneinsatz (Ø 74 %)
− 23.100 €
Miete inklusive Nebenkosten
− 1.600 €
Strom (Kühlung!) und Versicherungen
− 750 €
Aushilfe (60 Std. × 15 € inkl. Abgaben)
− 900 €
Gewinn vor Steuern
ca. 4.850 € – abzüglich eigener Steuern und Vorsorge
Marge je Warengruppe rechnen

Die passende Rechtsform

Empfehlung

Einzelunternehmen

Der Kiosk ist ein überschaubarer Handelsbetrieb mit geringem Haftungsrisiko. Das Einzelunternehmen ist schnell, günstig und steuerlich unkompliziert; eine GmbH lohnt erst bei mehreren Standorten.

Passende Förderprogramme

Angaben zu Förderprogrammen (Förderquoten, Höchstbeträge, Fristen, Voraussetzungen, Antragswege) sind redaktionell recherchiert und können sich jederzeit kurzfristig ändern, ausgesetzt oder eingestellt werden. Sie sind unverbindlich, begründen keinen Anspruch auf Förderung und ersetzen keine Beratung durch die Förderstelle. Wir übernehmen keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität und haften nicht für Schäden aus der Nutzung dieser Angaben – außer bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit sowie bei Verletzung von Leben, Körper und Gesundheit. Verbindlich sind ausschließlich die Angaben und Richtlinien der jeweiligen Förderstelle. Vollständiger Haftungsausschluss

Laufende Kosten

  • Miete und Nebenkosten (die Lage bestimmt den Umsatz)
  • Wareneinsatz und Schwund
  • Strom für Kühlung – bei Kiosken ein Hauptkostenblock
  • Kassensystem, TSE-Zertifikat, Kartenzahlungsgebühren
  • Personal für Öffnungszeiten am Abend und Wochenende
  • Versicherung gegen Einbruch und Warenverderb

Typische Fehler

  1. 01Lage nach Miete ausgewählt

    Der günstige Laden in der Nebenstraße kostet dich mehr Umsatz, als er an Miete spart. Zähle vor der Unterschrift die Passanten.

  2. 02Tabakmarge überschätzt

    Bei Zigaretten bleiben oft nur 6–8 % Rohertrag. Sie ziehen Kundschaft an – verdient wird an Getränken, Snacks und Lotto.

  3. 03Kassenpflichten unterschätzt

    Ohne TSE und Belegausgabe drohen Hinzuschätzungen bei der Kassennachschau. Das Kassensystem ist keine Sparposition.

  4. 04Öffnungszeiten allein gestemmt

    13 Stunden an sieben Tagen hält niemand durch. Plane von Anfang an eine Aushilfe in die Kalkulation ein.

Häufige Fragen

Was kostet es, einen Kiosk zu eröffnen?+

Bei Übernahme eines laufenden Kiosks 15.000–45.000 € inklusive Ablöse. Eine Neueröffnung mit gebrauchter Einrichtung ist ab etwa 12.000 € machbar.

Brauche ich eine Konzession für Alkohol?+

Für den reinen Verkauf über die Theke reicht eine Anzeige nach Gaststättenrecht. Sobald vor Ort konsumiert wird, gelten strengere Regeln.

Wie bekomme ich eine Lotto-Annahmestelle?+

Über die Landeslotteriegesellschaft. Die Zahl der Annahmestellen ist begrenzt, die Vergabe hängt von Standort und Bestandsdichte ab.

Wie hoch ist die Marge im Kiosk?+

Im Mischsortiment 22–30 % Rohertrag. Tabak liegt bei 6–8 %, Getränke bei 30–40 %, Snacks und Backwaren teils über 50 %.

Lohnt sich die Übernahme eines bestehenden Kiosks?+

Oft ja, weil Kundschaft, Lieferverträge und Lotto-Vertrag bereits stehen. Lass dir betriebswirtschaftliche Auswertungen der letzten drei Jahre zeigen.

Welche Öffnungszeiten sind sinnvoll?+

Frequenzabhängig. Morgens vor der Arbeit und abends nach Ladenschluss sind die stärksten Zeiten – Landesladenöffnungsgesetze beachten.

Brauche ich ein Hygienezertifikat?+

Sobald du unverpackte Lebensmittel verkaufst, brauchst du die Erstbelehrung nach § 43 IfSG durch das Gesundheitsamt.

Was ist beim Jugendschutz zu beachten?+

Altersnachweis bei Tabak, Alkohol und Lotterien. Verstöße kosten Bußgeld und im Wiederholungsfall die Gewerbeerlaubnis.

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