Das Wichtigste in Kürze
- Startkosten
- 8.000–35.000 € Startkosten (Werkzeug, Fahrzeug, Werkstatt, Eintragung)
- Dauer
- 2–6 Monate bis zur Eintragung in die Handwerksrolle
- Kernvoraussetzung
- Eintragung in die Handwerksrolle bei der Handwerkskammer, für zulassungspflichtige Gewerke (Anlage A) Meisterbrief oder Ausnahmebewilligung, danach Gewerbeanmeldung.
Was kostet der Start?
| Position | von | bis |
|---|---|---|
| Eintragung Handwerksrolle / Verzeichnis | 130 € | 250 € |
| Gewerbeanmeldung | 20 € | 65 € |
| Werkzeug- und Maschinenausstattung | 3.000 € | 15.000 € |
| Firmenfahrzeug (gebraucht, Transporter) | 4.000 € | 20.000 € |
| Werkstatt / Lagerfläche (Kaution + erste Miete) | 1.000 € | 6.000 € |
| Betriebs- und Berufshaftpflichtpro Jahr | 300 € | 900 € |
| Erste Materialbevorratung | 500 € | 3.000 € |
| Website, Branding, Visitenkarten | 300 € | 2.000 € |
| Summe | 9.250 € | 47.215 € |
Alle Beträge sind redaktionelle Richtwerte, keine Zusicherung. Prüfe die aktuellen Gebühren bei deiner Kommune und Kammer.
Genehmigungen und Ämter
- PflichtHandwerkskammer
Eintragung in die Handwerksrolle (Anlage A, zulassungspflichtig)
Meisterbrief, Ausübungsberechtigung oder Ausnahmebewilligung erforderlich.
- PflichtHandwerkskammer
Eintragung ins Verzeichnis der zulassungsfreien Handwerke (Anlage B)
Kein Meisterzwang, aber Meldepflicht.
- PflichtGewerbeamt
Gewerbeanmeldung nach Eintragung bei der Kammer
- PflichtFinanzamt
Fragebogen zur steuerlichen Erfassung
- PflichtBerufsgenossenschaft
Anmeldung bei der zuständigen BG Bau bzw. branchenspezifisch
- PflichtIHK/HWK
Meldung zur Kammermitgliedschaft und Beitragspflicht
- FallabhängigBauamt / Umweltamt
Genehmigung für Werkstatt- oder Lagerflächen, ggf. Immissionsschutz
Abhängig von Gewerk und Lärm-/Staubemissionen.
Beispielrechnung
Beispiel: Einzelunternehmen im Elektrohandwerk
Ein Meisterbetrieb mit einem Mitarbeiter kalkuliert einen Stundensatz auf Basis von Personal-, Fahrzeug- und Gemeinkosten sowie 1.400 abrechenbaren Jahresstunden.
- Personal- und Gemeinkosten pro Jahr
- 78.000 €
- Fahrzeug- und Werkzeugkosten pro Jahr
- 9.000 €
- Gewinnaufschlag (15 %)
- 13.050 €
- Summe / 1.400 abrechenbare Stunden
- 72 €/Std.
- Kalkulierter Stundensatz
- ca. 72 €
Die passende Rechtsform
Empfehlung
Einzelunternehmen zum Start, GmbH ab höherem Haftungsrisiko
Als Einzelunternehmen sparst du Gründungskosten und Formalitäten. Sobald größere Aufträge, Personal und Haftungsrisiken hinzukommen, lohnt der Wechsel in eine GmbH oder UG, um Privatvermögen zu schützen.
Passende Förderprogramme
- Gründungszuschuss →Zuschuss zur Sicherung des Lebensunterhalts in den ersten 15 Monaten der Selbstständigkeit.ca. 15.000–20.000 € über 15 Monate
- Aufstiegs-BAföG (Meister-BAföG) inkl. Gründungsanteil →Finanziert die Meisterausbildung – zentrale Voraussetzung für viele Handwerksgründungen.bis 15.000 € förderfähige Kosten
- ERP-Gründerkredit – StartGeld →Förderkredit ohne Eigenkapital – der Klassiker für kleine Gründungen.125.000 € (davon max. 50.000 € Betriebsmittel)
Angaben zu Förderprogrammen (Förderquoten, Höchstbeträge, Fristen, Voraussetzungen, Antragswege) sind redaktionell recherchiert und können sich jederzeit kurzfristig ändern, ausgesetzt oder eingestellt werden. Sie sind unverbindlich, begründen keinen Anspruch auf Förderung und ersetzen keine Beratung durch die Förderstelle. Wir übernehmen keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität und haften nicht für Schäden aus der Nutzung dieser Angaben – außer bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit sowie bei Verletzung von Leben, Körper und Gesundheit. Verbindlich sind ausschließlich die Angaben und Richtlinien der jeweiligen Förderstelle. Vollständiger Haftungsausschluss
Laufende Kosten
- Kammerbeitrag (Grundbeitrag + ggf. Umlage)
- Berufsgenossenschaft und Sozialversicherung für Mitarbeiter
- Fahrzeugunterhalt, Sprit, Versicherung
- Werkzeugverschleiß und -ersatz
- Betriebs- und Berufshaftpflicht
- Materialeinkauf und Lagerhaltung
- Steuerberatung und Buchhaltung
Typische Fehler
01Gewerbe ohne Eintragung angemeldet
Bei Anlage-A-Gewerken prüft das Gewerbeamt die Handwerksrolle. Ohne Eintragung wird die Anmeldung abgelehnt oder nachträglich untersagt.
02Stundensatz zu niedrig kalkuliert
Wer nur Materialkosten aufschlägt, deckt Fahrzeit, Ausfallzeiten und Gemeinkosten nicht. Kalkuliere mit allen Kostenblöcken.
03Fahrzeug und Werkzeug überdimensioniert
Zu Beginn reicht oft gebrauchtes Equipment. Große Investitionen erst bei gesicherter Auftragslage tätigen.
04Ausnahmebewilligung zu spät beantragt
Wer ohne Meisterbrief gründen will, sollte die Ausnahmebewilligung frühzeitig bei der Handwerkskammer beantragen – das Verfahren dauert Wochen.
Häufige Fragen
Brauche ich zwingend einen Meisterbrief?+
Nur bei zulassungspflichtigen Gewerken nach Anlage A der Handwerksordnung, etwa Elektrotechnik oder Sanitär-Heizung-Klima. Bei Anlage-B-Gewerken kannst du ohne Meister eintragen lassen.
Wie lange dauert die Eintragung in die Handwerksrolle?+
Mit vollständigen Unterlagen meist wenige Wochen. Läuft eine Ausnahmebewilligung, kann es zwei bis drei Monate dauern.
Was kostet die Eintragung bei der Handwerkskammer?+
Die einmalige Eintragungsgebühr liegt meist zwischen 130 und 250 Euro, dazu kommt der laufende Kammerbeitrag.
Kann ich ohne Meister ein Anlage-A-Gewerk führen?+
Ja, über eine Ausnahmebewilligung nach Nachweis vergleichbarer Qualifikation und Berufserfahrung oder mit einem angestellten Betriebsleiter, der die Meisterqualifikation mitbringt.
Welche Versicherungen sind Pflicht?+
Die Berufsgenossenschaft ist Pflicht, sobald du Mitarbeiter beschäftigst. Eine Betriebshaftpflicht ist rechtlich meist nicht vorgeschrieben, in der Praxis aber unverzichtbar.
Wie kalkuliere ich meinen Stundensatz richtig?+
Addiere Personal-, Fahrzeug- und Gemeinkosten, teile durch die realistisch abrechenbaren Jahresstunden und schlage einen Gewinnanteil auf.
Lohnt sich die Gründung im Nebengewerbe?+
Bei Anlage-B-Gewerken oft möglich, bei Anlage A nur eingeschränkt, da die Eintragungsvoraussetzungen unabhängig vom Umfang gelten.
Was passiert bei Verstoß gegen die Eintragungspflicht?+
Das Gewerbeamt kann die Tätigkeit untersagen, zusätzlich drohen Bußgelder. Verträge bleiben zivilrechtlich meist wirksam, das Risiko liegt beim Betrieb.
Gibt es Förderung für die Meisterprüfung?+
Ja, über die Meistergründungsprämie mehrerer Bundesländer und das Aufstiegs-BAföG für die Vorbereitung auf die Meisterprüfung.
Brauche ich sofort eine eigene Werkstatt?+
Nicht zwingend. Viele Betriebe starten mobil mit Fahrzeug und Lager im eigenen Keller oder Garage, solange Brandschutz und Lagerauflagen eingehalten werden.