Gastronomie & Handel

Restaurant eröffnen: Genehmigungen, Kosten und Wareneinsatz

Kaum eine Gründung bindet so viel Kapital wie ein Restaurant – und kaum eine wird so oft am Wareneinsatz gemessen. Die Küche entscheidet über die Genehmigung, die Kalkulation über das Überleben. Dieser Leitfaden bringt Genehmigungen, ehrliche Kostenblöcke und eine Sitzplatzrechnung zusammen, mit der du vor dem Mietvertrag weißt, ob dein Konzept trägt.

Fachlich geprüft am 14. August 2026

Das Wichtigste in Kürze

Startkosten
60.000–250.000 € je nach Küche und Zustand der Fläche
Dauer
6–12 Monate von der Objektsuche bis zur Eröffnung
Kernvoraussetzung
Gaststättenerlaubnis, IHK-Unterrichtung, HACCP-Konzept, Bauamt für Nutzungsänderung und Lüftung sowie eine Kalkulation mit maximal 30 % Wareneinsatz und 35 % Personalquote.

Was kostet der Start?

Startkosten Restaurant eröffnen: Genehmigungen, Kosten und Wareneinsatz
Positionvonbis
Kaution und Ablöse6.000 €50.000 €
Küchenausstattung (Herd, Kühlung, Spüle, Abzug)25.000 €90.000 €
Lüftungsanlage und Fettabscheider8.000 €40.000 €
Gastraum: Möbel, Licht, Böden10.000 €60.000 €
Geschirr, Besteck, Gläser, Wäsche3.000 €12.000 €
Kassensystem, Reservierung, TSE1.200 €5.000 €
Erstes Warenlager3.000 €10.000 €
Genehmigungen, Planung, Beratung3.000 €15.000 €
Summe59.200 €282.000 €

Alle Beträge sind redaktionelle Richtwerte, keine Zusicherung. Prüfe die aktuellen Gebühren bei deiner Kommune und Kammer.

Genehmigungen und Ämter

  • PflichtOrdnungsamt

    Gaststättenerlaubnis nach § 2 GastG bei Alkoholausschank

  • PflichtIHK

    Unterrichtungsnachweis nach § 4 GastG

  • PflichtGesundheitsamt / Lebensmittelüberwachung

    HACCP-Konzept, Belehrungen, Betriebsabnahme

  • PflichtBauamt

    Nutzungsänderung, Gastraumgröße, Stellplätze, Barrierefreiheit

  • PflichtUmweltamt

    Fettabscheider, Lüftungsführung, Lärmschutz

  • PflichtFeuerwehr

    Brandschutzkonzept und Fluchtwege

  • PflichtBerufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe

    Betriebsanmeldung

  • FallabhängigGEMA

    Musikanmeldung

Beispielrechnung

Beispiel: 50 Plätze, sechs Öffnungstage

Zwei Umläufe am Abend, 60 % Auslastung, 32 € Durchschnittsbon. Die Zielwerte der Branche: Wareneinsatz unter 30 %, Personal unter 35 %, Miete unter 10 % vom Umsatz.

Monatsumsatz (26 Tage × 60 Gäste × 32 €)
49.920 €
Wareneinsatz 30 %
− 14.976 €
Personal 35 %
− 17.472 €
Miete inklusive Nebenkosten
− 4.500 €
Energie, Reinigung, Versicherungen
− 3.200 €
Marketing, Instandhaltung, Sonstiges
− 2.500 €
Betriebsergebnis vor Steuern
ca. 7.270 € – rund 15 % vom Umsatz
Rentabilität durchrechnen

Die passende Rechtsform

Empfehlung

GmbH – UG bei knappem Kapital

Investitionshöhe, Personalverantwortung und Lebensmittelhaftung sprechen klar für eine Kapitalgesellschaft. Die GmbH wirkt außerdem gegenüber Verpächtern und Banken belastbarer als die UG.

Passende Förderprogramme

Angaben zu Förderprogrammen (Förderquoten, Höchstbeträge, Fristen, Voraussetzungen, Antragswege) sind redaktionell recherchiert und können sich jederzeit kurzfristig ändern, ausgesetzt oder eingestellt werden. Sie sind unverbindlich, begründen keinen Anspruch auf Förderung und ersetzen keine Beratung durch die Förderstelle. Wir übernehmen keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität und haften nicht für Schäden aus der Nutzung dieser Angaben – außer bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit sowie bei Verletzung von Leben, Körper und Gesundheit. Verbindlich sind ausschließlich die Angaben und Richtlinien der jeweiligen Förderstelle. Vollständiger Haftungsausschluss

Laufende Kosten

  • Wareneinsatz (Ziel: 28–32 %)
  • Personal inklusive Aushilfen (Ziel: unter 35 %)
  • Miete und Nebenkosten (Ziel: unter 10 %)
  • Energie – in der Gastronomie ein Hauptkostentreiber
  • Wartung von Lüftung, Kühlung und Fettabscheider
  • Buchhaltung, Kassenprüfung, Versicherungen

Typische Fehler

  1. 01Küche zu groß geplant

    Jeder Quadratmeter Küche kostet Miete und Energie, bringt aber keinen Umsatz. Plane die Karte zuerst, dann die Küche.

  2. 02Karte zu umfangreich

    40 Gerichte bedeuten Verderb, Lagerkosten und lange Bonzeiten. 12–18 Gerichte sind für kleine Küchen effizienter.

  3. 03Wareneinsatz nicht wöchentlich gemessen

    Wer erst am Jahresende rechnet, merkt Preissteigerungen zu spät. Wöchentliche Inventur der Top-10-Artikel reicht schon.

  4. 04Eröffnungsphase nicht finanziert

    Die ersten drei Monate laufen unter Plan. Ohne Puffer für Miete und Löhne endet das Projekt vor dem ersten guten Sommer.

Häufige Fragen

Was kostet es, ein Restaurant zu eröffnen?+

Die Übernahme einer laufenden Fläche startet bei etwa 60.000 €. Ein Neuausbau mit Küche und Lüftung liegt schnell bei 150.000–250.000 €.

Welche Genehmigungen brauche ich?+

Gaststättenerlaubnis, IHK-Unterrichtung, Gesundheitsamt mit HACCP, Bauamt für die Nutzungsänderung sowie Brand- und Lärmschutz.

Wie hoch darf der Wareneinsatz sein?+

In der Regel 28–32 % vom Nettoumsatz. Bei Fleisch- oder Fischfokus etwas höher, bei Pizza und Pasta deutlich niedriger.

Brauche ich einen Meister oder eine Kochausbildung?+

Nein, das Gastgewerbe ist kein zulassungspflichtiges Handwerk. Der IHK-Unterrichtungsnachweis genügt formal.

Was ist ein HACCP-Konzept?+

Ein schriftliches Eigenkontrollsystem für Lebensmittelsicherheit: Temperaturkontrollen, Reinigungspläne, Rückverfolgbarkeit, Schulungsnachweise.

Wie viele Gäste brauche ich pro Tag?+

Ein 50-Platz-Restaurant braucht typischerweise 55–70 Gäste am Tag. Das entspricht gut einem Umlauf plus Mittagsgeschäft.

Lohnt sich Lieferdienst als Zusatz?+

Nur mit eigener Bestellstrecke. Plattformprovisionen von 25–30 % fressen den Deckungsbeitrag der meisten Gerichte auf.

Wie finanziere ich das?+

Üblich ist ein Mix aus Eigenkapital (20–30 %), KfW-Kredit und Brauerei- oder Lieferantendarlehen. Für den Kredit brauchst du einen bankfähigen Businessplan.

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